Die diesjährigen Wallfahrtstage mit Dekan Norbert Heide führen auf dem Lutherweg 1521 von Bad Vilbel über die Ost- und Westklammer nach Mücke. 27 Pilger starteten auf der 5. Etappe des Lutherweges in Friedberg bei strahlend blauem Himmel.

Auf einem idyllischen Weg entlang des Usa-Flusses überquerten die Pilger den Weg nach Bad Nauheim. Am großen Wasserrad am Gradierwerk gab es Gelegenheit, Heilwasser zu probieren. Der geologische Lehrgarten in Nieder-Mörlen wurde durch den Park von Bad Nauheim mit den alten Bäumen entlang des großen Teiches erreicht.

Die Entstehungsgeschichte der Erde und des Menschen wird hier durch Felsen und Fossilien erzählt. In diesem Rundkomplex begeben sich die Besucher auf eine Reise durch die Geschichte der Entwicklung unserer Erde. 4,5 Milliarden Jahre lassen sich mit Hilfe von Gesteinen und Fossilien an einem Tag zurückverfolgen.

Dean Heide hat hier eine Geschichte von Martin Luther gelesen: Luther wird nach dem Prozess nicht verhaftet, da ihm der Schutzbrief 21 Tage freies Verhalten garantiert. Er ist auf dem Rückweg. Als er und die unterstützenden Fürsten Worms verlassen haben, erlegt der Kaiser Luther die Reichsacht auf: Er ist jetzt frei von Vögeln! Kurfürst Friedrich der Weise ließ Luther am 4. Mai „entführen“ (Luther war sich dessen vorher bewusst). Dies geschieht zum einen, um Luthers Sicherheit zu gewährleisten, zum anderen, um ihn für kurze Zeit von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Luther wird auf die Wartburg bei Eisenach gebracht. Er lebt jetzt inkognito auf der Wartburg als Junker Jörg.

Die „Weinstraße“, eine alte Handelsstraße, hat nichts mit vergorenem Most zu tun, sondern ist seit dem 17. Jahrhundert als Frankfurter Straße bekannt. Unzählige Speierling-Bäume säumten den Weg von Ober-Mörlen nach Ostheim.

An der Weinstraße, dem Lutherweg 1521, steht das Ostheimer Dorfgemeinschaftshaus. An diesem Ort gab es vor 500 Jahren einen Teich und eine Mühle. Heute ist hier die Ostheimer Pilgerstation, die zum Verweilen einlädt. Bereits im 12. Jahrhundert gab es in Ostheim eine kleine Kirche, die dem Heiligen Martin geweiht war. Diese Kirche wurde 1343 eine eigenständige Gemeinde. Im Jahre 1749 wurde das Kirchenschiff wieder aufgebaut.

Die Kommandantenkirche Nieder-Weisel wurde im 13. Jahrhundert als Teil des Verwaltungssitzes des Johanniterordens erbaut, von dem wesentliche Teile als Ensemble von Denkmälern erhalten geblieben sind. Sie ist eine der wenigen zweigeschossigen Kirchen in Deutschland. Über dem dreischiffigen Kirchensaal befand sich eine Krankenstation. Drei kreisrunde Löcher in den Decken ermöglichten den Patienten die Teilnahme am Gottesdienst. Heute sind sie mit Holzdeckeln verschlossen.

Die Evangelische Kirche in Nieder-Weisel ist eine romanische Hallenkirche aus dem 12. Jahrhundert und nahm ihre heutige Form zwischen 1613 und 1616 an. Der Kirchturm aus dem 12. Jahrhundert ist erhalten geblieben. Die bemerkenswerte Ausstattung besteht aus einer Stuckdecke im Renaissancestil und einer Kanzel.

Die sechste Etappe auf dem Lutherweg 1521 führt am 1. September von Nieder-Weisel zum Kloster Arnsburg (ca. 17 km). Treffpunkt ist um 8.30 Uhr am Bahnhof Grünberg. Weitere Informationen im evangelischen Dekanat Grünberg, Tel. 06401-227315.